Warum Ausbildung im Mittelstand heute scheitert, bevor sie beginnt

In den letzten Monaten habe ich mit mehreren mittelständischen Betrieben aus Ostwestfalen-Lippe über ein und dasselbe Thema gesprochen: Ausbildung. Die Bewerbungen gehen zurück. Die, die noch kommen, passen seltener. Und in den Gesprächen wirkten die Verantwortlichen dabei nicht hilflos, sondern schlicht erschöpft.

Ein Muster hat sich dabei immer wieder gezeigt: Ausbildung lief „nebenbei mit“. Irgendwer aus der zweiten Führungsebene machte es zusätzlich zu seinem eigentlichen Job – mal die Personalabteilung, mal jemand aus der Fachabteilung, ohne dass es wirklich jemandes Kernaufgabe war. Früher hatte das gereicht. Junge Leute kamen von selbst, blieben, weil man das eben so machte. Heute reicht es nicht mehr. Und mehr als einmal habe ich einen Satz gehört wie: „Ehrlich gesagt verstehen wir gar nicht mehr richtig, was junge Bewerber heute wollen.“

Das ist kein Einzelfall. Ich sehe dieses Muster in ähnlicher Form immer wieder in Betrieben, die über Jahrzehnte gut liefen und plötzlich merken: Was früher funktioniert hat, trägt nicht mehr.

Der Denkfehler: Ausbildung ist eine Aufgabe, keine Führungsentscheidung

Die meisten Mittelständler behandeln Ausbildung als organisatorisches Thema – irgendjemand muss es ja machen. Das ist der Kern des Problems. Ausbildung ist keine Aufgabe, die man nebenbei mitlaufen lässt. Sie ist eine Führungsentscheidung, genau wie Vertrieb, Qualität oder Investitionen.

Wenn niemand explizit zuständig ist, ist implizit niemand verantwortlich. Und wo niemand verantwortlich ist, verkümmert das Thema – nicht aus Desinteresse, sondern weil es im Tagesgeschäft immer die Sache ist, die man „auch noch“ macht.

Warum „nebenbei“ heute nicht mehr trägt

Zwei Dinge haben sich verschoben, die früher zusammen funktioniert haben:

Der Wettbewerb um junge Menschen ist härter geworden. Wer neben bekannten Arbeitgebern in der Region ausbildet, konkurriert um dieselben Bewerber – mit weniger Marketingbudget und oft mit einem Image, das seit Jahren niemand aktiv gepflegt hat.

Die Generation, die heute eine Ausbildung beginnt, tickt anders als die, die die heutigen Ausbilder selbst waren. Das ist keine Wertung, sondern eine Beobachtung, die ich in Gesprächen mit erfahrenen Führungskräften immer wieder höre: „Ich verstehe nicht mehr, was die wollen.“ Genau das macht „nebenbei“ so gefährlich – es braucht heute aktive Auseinandersetzung mit einer Zielgruppe, die man nicht mehr aus der eigenen Erfahrung heraus versteht.

Was stattdessen hilft

Aus der Praxis heraus – nicht aus der Theorie – drei Dinge, die den Unterschied machen:

1. Eine feste, sichtbare Zuständigkeit schaffen. Eine Person (oder eine klar definierte Doppelspitze), die Ausbildung als Teil ihrer eigentlichen Rolle versteht – nicht als Zusatzaufgabe neben dem Kerngeschäft. Das kann eine neue Stelle sein, muss es aber nicht: Auch eine interne Umverteilung von Zeit und Verantwortung ist ein Anfang, wenn sie ernst gemeint ist.

2. Die Perspektive der jungen Generation aktiv einholen, statt zu vermuten. Der Satz „Wir verstehen nicht mehr, was die wollen“ ist kein Makel – er ist der Ausgangspunkt für eine echte Befragung der eigenen Azubis und Bewerber, statt für weitere Annahmen aus der eigenen Erfahrungswelt.

3. Image ist Führungsarbeit, nicht Marketingaufgabe. Wie ein Ausbildungsberuf im Betrieb wahrgenommen wird, entscheidet sich zuerst intern – daran, wie ernst er genommen wird, wer ihn verkörpert und wie viel Raum er bekommt. Erst danach wird daraus glaubwürdige Außenwirkung.

Der eigentliche Punkt

Ausbildung scheitert selten an fehlenden Bewerbern. Sie scheitert daran, dass sie behandelt wird wie eine Nebensache, während sie längst eine strategische Führungsfrage geworden ist – über die Zukunftsfähigkeit des Betriebs.

Die gute Nachricht: Genau weil es eine Führungsfrage ist, lässt sie sich auch mit Führungsinstrumenten lösen. Man muss sie nur als solche anerkennen.

Du steckst gerade selbst in so einer Situation? In meiner Arbeit mit Mittelständlern in Ostwestfalen-Lippe und darüber hinaus entwickle ich mit Führungsteams genau solche Konzepte – praxisnah statt theoretisch. Mehr zu meinem Coaching-Angebot: www.poenighaus-coach.de

Wie steht es um die Ausbildung in deinem Betrieb – gibt es eine klare Zuständigkeit, oder läuft sie „auch noch mit“?

Über die Autorin

Dr. Julia Pönighaus

Ich bin Dr. Julia Pönighaus – Business Coach mit Herz, Verstand und über 15 Jahren Erfahrung in der Arbeit mit mittelständischen Unternehmen. Mein Weg führte mich über ein internationales Traineeprogramm in den USA, Italien und der Schweiz zurück nach Ostwestfalen-Lippe, wo ich heute Unternehmer*innen und Führungskräfte begleite.

Als promovierte Betriebswirtin und zertifizierte Business Coach (DGfC & ActionCOACH) liegt mein Fokus auf klarer Führung, wirksamer Teamarbeit und nachhaltiger Weiterentwicklung – praxisnah, persönlich und auf Augenhöhe.

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Business Coaching in OWL – Dr. Julia Pönighaus

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